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Im Gespräch: Constantin Wahl (Tegernseer Tal Bräuhaus)

Aktualisiert: Aug 15

Constantin Wahl zählt zu den Urgesteinen der Münchner Clubszene. Ob einst das Park Café, die Wiesnworld, die Bar München, das Pacha oder das Americanos City – sie alle zählten zu seinen Wirkungsstätten. Heute kümmert sich der Familienvater nur noch um seine Kinder und sein Wirtshaus das Tegernseer Tal Bräuhaus.


Wie war der Moment, als du realisiert hast, dass ihr zusperren müsst?

Constantin Wahl: „Als die Fallzahlen explodiert sind, haben wir das Ansteckungsrisiko für Personal und Gäste als zu hoch erachtet und in eigener Entscheidung bereits 3 Tage vor der staatlichen Anordnung zugesperrt!“


Mindestens zwei Monate keinen Umsatz, aber trotzdem Kosten, wie überlebt man das?

Constantin Wahl: „Fixkosten so weit wie möglich nach unten korrigieren. Kurzarbeit für Mitarbeiter beantragen. Wir selber hatten das Glück, solide dazustehen als die Krise gestartet ist. Null offene Rechnungen – auch jetzt nicht und durch eine gute Zusammenarbeit mit unserer Hausbank auch in Vor-Corona-Zeiten schnell und unproblematisch Kreditlinien erhöht bekommen und das im ersten Schritt ohne jegliche Hilfe seitens des Staates.“

Was erwartet Ihr von der Politik, sprich der Stadt, dem Land oder dem Bund?

Constantin Wahl: „Eine sofortige Herabsetzung des Mehrwertsteuer-Satzes auf 7% rückwirkend zum 1.1.2020, denn nur das bedeutet eine echte Soforthilfe. Die Hotellerie & Gastronomie wird ohne Messen, ohne Reisefreiheit – sprich keine Touristen – ohne Fußball und andere Großveranstaltungen lange nicht an die Umsätze vor Corona anknüpfen können! Auch die Absage des Oktoberfestes wird insbesondere die Münchner Hotellerie und Gastronomie schwer treffen.

12% weniger von nix reicht daher nicht aus, deshalb unbedingt rückwirkend so weit wie möglich, im Minimum bis zum 1.1.2020, besser ein Quartal davor!

Und ich wünsche mir von der Politik – auch auf die Gefahr hin, dass mir die Branche ins Gesicht springt – eher einen späteren und sicheren Exit, wie ein Hin und Her und eventuell einen erneuten Shutdown bei einer 2. Welle. Das Ganze scheibchenweise nach oben zu fahren, würde die Branche endgültig killen. Ich persönlich habe vorm zu frühen Anfahren mehr Respekt wie vorm jetzigen Zustand, der ist kalkulierbar und den

stehen wir auch noch länger durch!“


Was nehmt ihr persönlich für euren Betrieb mit aus dieser Krise?

Constantin Wahl: „Eine Betriebsunterbrechung-Versicherung, wenn erschwinglich, auch gegen jegliche Form von Viren/Krankheiten, und sonst: Gott mit Dir, Du Land der Bayern!“


So nun gibt es einen ersten Fahrplan für die Gastronomie, wie bewertest du diesen und wie könnt ihr es umsetzen?

Constantin Wahl: „„Ich finde es gut, dass endlich geöffnet werden darf aber es sollte nachjustiert werden damit es ein Exit Szenario ist wo es möglich ist zumindest Break Even zu fahren. Restaurants bis 23.00 Uhr und die Erlaubnis vier Leute, die zusammen kommen, platzieren zu dürfen und Biergärten bis 22.00 Uhr! Wer soll da bis 20 Uhr kommen? Die meisten Menschen arbeiten bis 18.00/19.00 Uhr der Einzelhandel bis 20.00 Uhr! Touristen sind nicht da! Ein Exit, der mehr kostet, wie eine Shutdown Verlängerung, verschärft nur das Desaster der Gastronomie Branche! Bars & Clubs haben noch gar kein Szenario wie sie überleben können! Ich finde unser MP macht einen super Job, aber das muss dringend vor Eröffnung sinnvoll auf ein finanzierbares Szenario angepasst werden!“

Tegernseer Tal Bräuhaus, Tal 8, 80331 München

Fotos ©Presse Tegernseer Tal Bräuhaus

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